Mein Leben
mit NDO

Es gibt Themen, über die man eher ungern spricht. Das Blasenmanagement und die damit verbundenen Herausforderungen gehört häufig dazu. Umso wichtiger ist es dieses Thema endlich zu enttabuisieren. Auf die Toilette gehen müssen wir schließlich alle.

Der NDO Blog

Von Mensch zu Mensch

Dieser Blog soll Betroffene einer neurogenen Detrusorüberaktivität unterstützen, zum Austausch anregen und nicht zuletzt einfach Spaß machen – ganz unverblümt und von Mensch zu Mensch.
Authentisch und aus dem wirklichen, meist nicht perfekten Leben, erzählt.


Nachtschichten einlegen, verzweifeln & aufatmen

Allgemeine Beiträge

 

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

als ich diesen Beitrag zu schreiben begann überlegte ich, ob überhaupt etwas wirklich gravierend anders an meinem „Studenten-Leben“ ist als an dem von anderen gesunden Student*innen. Zuerst denke ich an die Rollstuhl-Toiletten, die längst nicht in jedem Gebäude auf dem Campus existieren. Mal schnell aufs Klo gehen ist da nicht angesagt. Manche wenige Vorlesungssäle haben Treppen, so dass ich mich entweder ganz oben an einen separaten Tisch setzen kann oder mich ganz unten neben die Dozent*innen gesellen darf. Jeder, der schon mal studiert hat, weiß wie unbeliebt die ersten Reihen sind. Trotzdem gelten die Säle als barrierefrei, weil man ja schließlich reinkommt. Zumindest ganz oben oder ganz unten.

Beim längeren Überlegen stellte ich fest wie viel anders ist.
An dem wie ich studiere vielleicht nicht. Ich hoffe es zumindest. Ich denke, dass es genügend Student*innen gibt, bei denen es auch ein Auf und Ab ist wie bei mir. Das Semester beginnt und gefühlt ist alles im Slow-Motion-Modus. Dann, zwei Wochen später, beginnt es langsam ernst zu werden und eine imaginäre Dampfwalze fährt hinter mir los. Der Leistungsdruck spitzt sich zu. Sobald die Prüfungszeit im letzten Drittel des Semesters anfängt überrollt mich dann die besagte Dampfwalze. Glücklicherweise stelle ich später in den Semesterferien immer fest, dass ich doch nicht völlig plattgefahren worden bin und ich mich nach ein bisschen Regenerationszeit in ein neues Semester stürzen kann. Man könnte es auch als eine Hassliebe bezeichnen.

Zugegeben, diese Darstellung war etwas überspitzt und bestimmt erlebt nicht jeder so das Studium. Aber jetzt gerade, wo ich mich in der Prüfungszeit am Ende eines Semesters befinde, empfinde ich es genau so. Fazit: der Sinn von wochenlangen Semesterferien erschließt sich einem erst während des Studiums.

Manchmal kommt es mir so vor, als fänden viele Aussenstehende es besonders toll, dass man sich mit einer körperlichen Einschränkung für den Weg eines Studiums entscheidet. Ein bisschen stört mich das, weil ich mir die Frage stelle: „Warum denn eigentlich nicht studieren mit Einschränkung?“ Da ist man ja nicht automatisch in allem dümmer, weniger leistugsfähiger oder belastbarer. Bedauerlicherweise steckt das aber immer noch in manchen Köpfen. Als Betroffener ist die beste Antwort darauf meines aktuellen Wissenstandes nach Hartnäckigkeit! Mit den vereinzelten Rollstuhl-Toiletten und profissorischen Sitzplätzen lernt man während des Studiums klarzukommen.

Klar, alles funktioniert bei mir als Rollstuhlfahrerin nicht gleich „gut“ wie bei Fußgänger*innen. Schon alleine wegen meiner körperlichen Einschränkung. Muss ich mich dafür rechtfertigen? Ich finde nicht. Daran ändern kann ich sowieso nichts. Wen das ginge, dann wären bereits andere Betroffene vor mir auf die Idee gekommen. Auch gesunde Menschen können nicht alles gleich gut und das ist okay und vor allem total normal.

Meine Botschaft, besonders an uns Menschen mit Einschränkung, ist sich bei anstehenden Entscheidungen, egal ob beruflich oder privat, einmal mehr die Frage zu stellen: „Warum denn eigentlich nicht…?“ Oftmals fallen mir persönlich keine guten Gegenargumente ein, was ein guter Startschuss dafür ist, auch mal Dinge zu machen oder Entscheidung zu treffen, die Mut und Selbstbewusstsein kosten, wie beispielsweise ein Studium zu beginnen.

Eure Luca

Luca Fischer

Luca

Jahrgang 1997 / 24 Jahre

Studentin

Rollstuhlbasketball-Spielerin

Profil

Luca (Jahrgang 1997) ist Spina-bifida-Betroffene mit NDO. Die 24-jährige Ressortjournalismus-Studentin versucht immer aus allem das Beste zu machen und sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen. Seit vielen Jahren ist sie als Rollstuhlbasketball-Spielerin aktiv und spielt für den RVS Bayreuth in der 2. Bundesliga.

Bitte beachten Sie, dass die hier enthaltenen Informationen lediglich als Orientierungshilfe dienen und das ärztliche Gespräch nicht ersetzen können.