Mein Leben
mit NDO

Es gibt Themen, über die man eher ungern spricht. Das Blasenmanagement und die damit verbundenen Herausforderungen gehört häufig dazu. Umso wichtiger ist es dieses Thema endlich zu enttabuisieren. Auf die Toilette gehen müssen wir schließlich alle.

Der NDO Blog

Von Mensch zu Mensch

Dieser Blog soll Betroffene einer neurogenen Detrusorüberaktivität unterstützen, zum Austausch anregen und nicht zuletzt einfach Spaß machen – ganz unverblümt und von Mensch zu Mensch.
Authentisch und aus dem wirklichen, meist nicht perfekten Leben, erzählt.


 

 

Tapetenwechsel

Allgemeine Beiträge

 

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

am meisten nach Urlaub und Verreisen sehne ich mich, wenn mir alles zu viel wird und ich mir einen Tapetenwechsel wünsche. Sei es das Studium, der Sport oder etwas Privates, das mich beansprucht. Während den Lock-Downs in der Corona-Pandemie wollte sich bestimmt jede und jeder mal unter einen Sonnenschirm an die Malediven beamen. Beamen wäre mir mit oder ohne Pandemie grundsätzlich auch lieber. Für mich beginnt der Urlaub nämlich erst, wenn das Flugzeug auf die Landebahn trifft und ich sicher aus dem Flieger steige. Grundsätzlich muss ich dann immer zuerst auf die Toilette, weil ich während des Landeflugs das Gefühl habe meine Blase ist genauso angespannt wie mein restlicher Körper.

Aber mit schnell rauskommen aus dem Flieger wird´s wohl nichts, denn ich kann meinen Rollstuhl nicht mit an Bord des Fliegers nehmen und muss auf eine hilfsbereite Stewardess warten, die mich mit einem merkwürdig aussehenden Stuhl, den ich nur aus dem Flugzeug, hinaus in die Freiheit schiebt. Dann auf der Toilette angekommen fühlt es sich wirklich wie Freiheit an. Wer kennt es nicht.

Die Suche nach geeigneten Toiletten, die mit einem Rollstuhl zugänglich sind, ist ein wesentlicher Bestandteil von jedem Ausflug, egal ob ich im In- oder Ausland bin. Und ich hoffe, es geht auch anderen NDO-Betroffenen so.
„Hauptsache da gibt es eine Toilette für mich,“ ist meine Standard-Antwort, wenn ich gefragt werde, ob es wohl eine passende barrierefreie Location wäre, die man besuchen könnte.

Doch besonders im Urlaub bin ich froh, wenn nicht allzu viel Zeit für das Suchen von rollstuhlgerechten Toiletten draufgeht und die meisten Wege ohne Hilfe, also ohne Treppen, möglich sind. Eigentlich bin ich in meiner Freizeit kein strukturierter Mensch, lasse Dinge auf mich zukommen und fühle mich auch recht wohl in meinem eigenen kleinen Chaos, doch im Urlaub, auf unbekanntem Territorium, habe ich lieber die ein oder andere Überraschung weniger und prüfe im Voraus die Barrierefreiheit von den geplanten Zielen. Ein Ziel deshalb von der Urlaubsliste zu streichen fällt mir trotzdem schwer. Aus diesem Grund war mein Aufenthalt in Venedig letztes Jahr vielleicht so abenteuerlich. Offentsichtlich habe ich den Spruch „die Stadt der tausend Brücken“ nicht wörtlich genommen. Rückblickend würde ich auch viel eher sagen „die Stadt der tausend Brücken mit vielen Treppenstufen“. Aber ich wollte unbedingt wieder als Erwachsene nach Venedig reisen und vielleicht war der Trip, den ich mit einer Freundin machte, genau deshalb so abenteuerlich und schön.

Ich finde, man sollte sich seine Traum-Ziele, egal welche, von nichts und niemandem kaputt reden lassen und Urlaubs-Destinationen nicht kategorisch wegen der vermeintlich fehlenden Barrierefreiheit ausschließen. Oft gibt es Wege die Reise im Voraus gut barrierefrei zu planen. Weil ich aber niemand bin, der jedes Jahr in den Sommer-Urlaub fährt, gibt es sicherlich viele Menschen, die sich auf diesem Gebiet besser auskennen als ich. Wenn ich vor Ort dann doch mal Hilfe benötige, bin ich der Typ Mensch, der sich auch nicht zu schade ist andere Leute anzusprechen und um Hilfe zu bitten, wenn ich da eben unbedingt hin möchte. Wer weiß ob und wann man wieder dort hinkommt. Und da finde ich stimmt mal wieder der Spruch vom ehemaligen römischen Kaiser Marc Aurel: „Man bereut nie, was man getan, sondern immer, was man nicht getan hat.“

Wenn ich als Amateur-Reisende drei Destinationen empfehlen könnte, wären es Wien, Kanada (finde ich super geeignet für Rollstuhlfahrer*innen) und Italien,  vorzugsweise die Toscana. Zugegeben, Kanada und Italien sind etwas weiträumige Urlaubsziele, da gibt es eben viele schöne Plätze!

Eure Luca

 

 

Luca Fischer

Luca

Jahrgang 1997 / 24 Jahre

Studentin

Rollstuhlbasketball-Spielerin

Luca Fischer

Profil

Luca (Jahrgang 1997) ist Spina-bifida-Betroffene mit NDO. Die 24-jährige Ressortjournalismus-Studentin versucht immer aus allem das Beste zu machen und sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen. Seit vielen Jahren ist sie als Rollstuhlbasketball-Spielerin aktiv und spielt für den RVS Bayreuth in der 2. Bundesliga.

Bitte beachten Sie, dass die hier enthaltenen Informationen lediglich als Orientierungshilfe dienen und das ärztliche Gespräch nicht ersetzen können.