Mein Leben
mit NDO

Es gibt Themen, über die man eher ungern spricht. Das Blasenmanagement und die damit verbundenen Herausforderungen gehört häufig dazu. Umso wichtiger ist es dieses Thema endlich zu enttabuisieren. Auf die Toilette gehen müssen wir schließlich alle.

Der NDO Blog

Von Mensch zu Mensch

Dieser Blog soll Betroffene einer neurogenen Detrusorüberaktivität unterstützen, zum Austausch anregen und nicht zuletzt einfach Spaß machen – ganz unverblümt und von Mensch zu Mensch.
Authentisch und aus dem wirklichen, meist nicht perfekten Leben, erzählt.


Ich will so bleiben wie ich bin - oder vielleicht doch nicht?

Allgemeine Beiträge

 

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

leben mit NDO bedeutet auch älter werden mit NDO und durch unterschiedliche Lebensphasen zu kommen. Von den grauen Haaren und den Lachfältchen bin ich mit 24 wahrscheinlich noch etwas entfernt, aber an meine Pubertät kann ich mich hingegen sehr gut erinnern.

Als ich volljährig wurde ging ich fest davon aus eine solche pubertäre Phase einfach „übersprungen“ zu haben. Fast sieben Jahre später weiß ich wie falsch ich mit dieser Annahme lag und kann darüber nur schmunzeln. Ich war ein normaler Teenager mit allem was dazu gehörte und machte mir tausend Gedanken über gefühlt alles. Darin bin ich bis heute übrigens ein Genie. Die Pubertät war die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass meine Normalität eine andere war als die meiner Freundinnen und Freunde. Mein Leben war genauso glücklich, aufregend und lebenswert. Aber anders. Manchmal tat ich mir schwer diesen Umstand zu akzeptieren, manchmal gelang es mir besser.

Cool wollten wir alle sein und dazu gehören. So richtig cool fühlte ich mich nicht. Aber ich gehörte immer dazu und stand ab der Mittelstufe nie wieder alleine auf dem Pausenhof und das fühlte sich großartig an.

Der Coolness-Faktor verschwand immer ganz schnell, wenn es bei mir um das Thema Blase ging. Mein Endgegner, vielleicht ist es auch deiner, heißt nach wie vor Blasenentzündung. Wenn ich vor Menschen in weißen Kitteln saß, die theoretisch viel über mein Krankheitsbild wussten, wollte ich über solch ein lästiges Thema ungerne reden. Obwohl ich bereits in jungen Jahren viele lustige und weniger lustige Anekdoten zu erzählen gehabt hätte. Klar, Betroffene können das. Es sollte eben funktionieren. Die Blase. Und das Ganze sollte möglichst vereinbar mit meinem Teenager-Leben sein. Und auch wenn ich jetzt erwachsen bin gilt dies bis heute.

Haufenweise Stationäre Krankenhausaufenthalte, Zuhause bleiben und sich verkriechen oder permanent Hilfe von anderen anzunehmen kam für mich gar nicht erst in Frage. Im Jugendalter feierte ich sogar mein 5-jähriges „Ich-musste-nicht-ins-Krankenhaus“- Jubiläum. Klingt wahrscheinlich lustig, damals habe ich das eben gebraucht. Was sich nach langen Überlegungen goldrichtig anfühlt kann so falsch nicht sein. Auch  was die NDO betrifft.

Auch hinsichtlich meiner NDO-Therapie habe ich irgendwann gemerkt, dass sie nicht mehr die Richtige für mich war. Ich hatte mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen und fühlte mich nicht mehr wohl. Also habe ich angefangen zu recherchieren und mögliche Optionen mit meinem Arzt besprochen.

Schlaue Ratschläge zu geben wäre aus meiner Sicht falsch. Nur so viel: Hört auf die für euch richtigen und kompetenten Ärzti*innen, aber auch auf euer Bauchgefühl und womit ihr euch wohlfühlt. Mit der NDO leben müsst letzten Endes ihr. Die Gesundheit und das eigene Wohlbefinden ist meines Erachtens nach einer der besten Gründe um hartnäckig zu bleiben.

Eure Luca

Luca Fischer

Luca

Jahrgang 1997 / 24 Jahre

Studentin

Rollstuhlbasketball-Spielerin

Profil

Luca (Jahrgang 1997) ist Spina-bifida-Betroffene mit NDO. Die 24-jährige Ressortjournalismus-Studentin versucht immer aus allem das Beste zu machen und sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen. Seit vielen Jahren ist sie als Rollstuhlbasketball-Spielerin aktiv und spielt für den RVS Bayreuth in der 2. Bundesliga.

Bitte beachten Sie, dass die hier enthaltenen Informationen lediglich als Orientierungshilfe dienen und das ärztliche Gespräch nicht ersetzen können.